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Humboldt-Universität zu Berlin    ·    Nordeuropa-Institut
Forschungsgruppe Nordeuropäische Politik e.V.
Research Group for Northern European Politics
Ostseegespräche 2012



11. Dezember

Christian Rebhan
Europaskepsis in Grönland und auf den Färöer Inseln

Die politikwissenschaftliche Forschung beschäftigt sich bereits seit einiger Zeit mit dem Phänomen der nordeuropäischen Europaskepsis. Mit Ausnahme von Finnland haben sich alle nordeuropäischen Nationen aus gewissen Bereichen des Integrationsprozesses ausgeklinkt, Norwegen und Island sind bis heute keine EU-Mitglieder. Zwei autonome Regionen im Nordatlantik finden dabei jedoch nur selten Beachtung: Grönland und die Färöer-Inseln. Beide sind Teil Dänemarks, aber nicht der EU. Anfang der 1970er Jahre lehnten beide einen Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft (EG) als Teil Dänemarks ab. Grönland musste der EG aufgrund seiner verfassungsrechtlichen Stellung im dänischen Königreich 1973 beitreten, trat, nachdem es 1979 erweiterte Autonomie innerhalb Dänemarks erhalten hatte, jedoch 1985 wieder aus - ein bis heute einmaliges Ereignis in der europäischen Integrationsgeschichte.
Was waren und sind die Gründe für die Europaskepsis in Grönland und auf den Färöer-Inseln? Wurde in Grönland seit dem EG-Austritt 1985 und auf den Färöer-Inseln seit der EG-Ablehnung 1974 eine EU-Mitgliedschaft wieder in Betracht gezogen? Und welche Konsequenzen hat die zunehmende Integration Dänemarks in die EU für die beiden Nicht-EU-Mitglieder des dänischen Königreichs?

Christian Rebhan, hat Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, am University College Cork, Irland, und an der Universität Islands in Reykjavík studiert. Seit 2009 promoviert er an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universität Islands über die Europapolitik Islands, Grönlands und der Färöer-Inseln.


10. Juli

Tim-Åke Pentz
Maritime Raumplanung in der Ostseeregion - Erfahrungen aus dem Projekt BaltSeaPlan 2009-2012

Unsere Küsten und Meere sind einem deutlich und anhaltend steigenden Druck von traditionellen und neuen maritimen Nutzungen ausgesetzt. Dies gilt insbesondere für die Ostseeregion. Als Reaktion darauf setzt sich die Europäische Kommission für die Einführung einer integrierten Meerespolitik ein. Als wichtigstes Instrument zur Schlichtung kollidierender und konkurrierender Tätigkeiten und Interessen in maritimen Räumen gilt dabei die so genannte Maritime Raumplanung. Bei deren Einführung und Umsetzung lassen sich jedoch zwischen den Küstenländern deutliche Unterschiede ausmachen. Das von der EU co-finanzierte Pilot-Projekt BaltSeaPlan 2009-2012 - ein sog. Leuchtturmprojekt der EU-Strategie für die Ostseeregion - hatte zum Ziel, erstmals grenzüberschreitend eine gemeinsame maritime Raumplanung der EU-Ostseeanrainer voranzubringen. Eine auch aus politischer Sicht durchaus diffizile Aufgabe. Aufbauend auf den Erfahrungen aus dem BaltSeaPlan-Projekt soll der Vortrag die Notwendigkeiten, Herausforderungen und Chancen einer gemeinschaftlich koordinierten Nutzung der Ostsee erörtern und zu einer Diskussion über Instrumente und Institutionen maritimer Politik anregen.

Tim-Åke Pentz ist Promotionsstipendiat an der Interdisziplinären Fakultät und Mitglied der Arbeitsgruppe Ostseeraum der Universität Rostock. Nach einer Tätigkeit als Berater für Unternehmenskommunikation und politische Kommunikation in einer Hamburger PR-Agentur lehrt er seit 2009 am Lehrstuhl für Vergleichende Regierungslehre und forscht am Department Maritime Systems der Universität Rostock zum Thema "Die Meerespolitik der Europäischen Union und die Einführung der Meeresraumplanung in Deutschland und Schweden". 2011 war er für die Mitarbeit am Projekt "BaltSeaPlan - Planning the Future of the Baltic Sea" als Referent für Meeresraumplanung des WWF Ostseebüros freigestellt.


05. Juni

Richard Mole
Nationality and sexuality: homophobic political discourse and the ‘national threat’ in contemporary Latvia

The talk seeks to understand why attitudes towards homosexuality in Latvia appear to be more intolerant than in all other EU member states. It is argued that, while the impact of religion, the legacy of communism and post-communist transition have all played a role in shaping attitudes towards homosexuality in Central and Eastern Europe, these factors do not explain sufficiently the divergence among post-communist states and, in particular, do not account for Latvia's extreme position. While acknowledging that intolerance towards non-heteronormative sexuality cannot be explained by a single factor but is the cumulative effect of a range of social influences, this study argues that homosexuality is particularly reviled in Latvia because it has been constructed discursively as a threat to the continued existence of the nation in its desired ethnic form and to the core values defining Latvian national identity.

Dr. Richard Mole is Senior Lecturer in Poltiical Sociology at the School of Slavonic and East European Studies, University College London and author of "The Baltic States from the Soviet Union to the European Union. Identity, Discourse and Power in the Post-Communist Transition of Estonia, Latvia and Lithuania" published by Routledge Curzon in 2012.




08. Mai

Jan Hecker-Stampehl
Vereinigte Staaten des Nordens und Nordischer Bundesstaat — "Realistische" Utopien?

Während des Zweiten Weltkriegs wurden intensive Diskussionen über die internationale Ordnung nach dem Krieg geführt. Während die Nationalsozialisten eine "Neuordnung Europas" anstrebten und die Widerstandsbewegungen neue Pläne für eine Einigung Europas vorlegten, stand in den Diskussionen, die in den nordischen Ländern geführt wurden, die Idee der "Vereinigten Staaten des Nordens" im Vordergrund. Diese Idee war schon damals nicht neu, sie reihte sich vielmehr in eine lange Reihe von Einigungsbestrebungen seit dem Mittelalter ein. Im Ostseegespräch stellt Hecker-Stampehl seine Forschungen zu den Plänen im Zweiten Weltkrieg vor. Sie sollen anschließend im Kontext des neuerlichen Vorschlags eines nordischen Bundesstaates diskutiert werden, den der schwedische Historiker und Publizist Gunnar Wetterberg vor wenigen Jahren vorgelegt hat.

Dr. Jan Hecker-Stampehl ist Wissenschaftlicher Assistent am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität. Zu den wissenschaftlichen Schwerpunkten des Historikers gehört u. a. die Geschichte der Nordischen Zusammenarbeit und der verschiedenen Formen des nordischen Einheitsgedankens.



13. März

Bernd Henningsen, Tobias Etzold
Tiefe Wasser denken weit: der Ostseethinktank "Deep Water" und der erste politische Ostseelagebericht

Im Oktober vorigen Jahres haben Bernd Henningsen und Tobias Etzold den ersten Political State of the Region Report herausgegeben [pdf-Download]. 23 Autorinnen und Autoren haben die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in der Ostseeregion und ihren Ländern sowie unterschiedliche Politikfelder analysiert. Der Bericht, in dessen Mittelpunkt der Stellenwert und die Umsetzung der EU-Ostseestrategie standen, wurde unter dem Dach des Baltic Development Forum erarbeitet und gefördert von der Adenauer-Stiftung (Riga), dem Center for Baltic and Eastern European Studies (Södertörn) und dem Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität. Gegenwärtig wird eine Fortsetzung des Berichts konzipiert und die Finanzierung des Thinktanks mit unterschiedlichen Organisationen erörtert. Im Ostseegespräch stellen die Herausgeber den Bericht vor, erläutern die wichtigsten Erkenntnisse und Schlussfolgerungen und laden zur Diskussion über die zukünftige Arbeit des Thinktanks ein.

Prof. Dr. Bernd Henningsen war bis 2010 Professor für Skandinavistik/Kulturwissenschaft sowie Kultur und Politik Nordeuropas und der Ostseeregion am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2003 ist er Gastprofessor am Zentrum für Deutschlandstudien der Hochschule Södertörn, Stockholm, sowie am Center for International Studies der Universität Örebro/Schweden. Von 2005 bis 2010 war er außerdem Honorarprofessor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Kopenhagen. Seit 2010 ist er Honorarprofessor am Nordeuropa-Institut

Dr. Tobias Etzold war nach Praktika und Forschungstätigkeiten im Sekretariat des Ostseerats, am European Centre for Minority Issues, im Schleswig-Holsteinischen Institut für Friedenswissenschaften sowie in der Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin von 2005 bis 2010 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Manchester Metropolitan University. Seit 2011 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt Nordeuropa und Ostseeraum der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin



14. Februar  


Håkon Lunde Saxi (Oslo)
Norwegian and Danish defence policy: A comparison of the post-Cold War period (1990–2010)

Denmark and Norway were founding members of NATO, and shared throughout the Cold War defence policies aimed at defending their respective territories against a possible Warsaw Pact invasion. However, with the end of the Cold War Norway and Denmark chose different paths: Denmark to professionalise, downsize and enable its Armed Forces to take part in expeditionary operations far from Danish shores, including warfighting operations alongside American or British allies. Norway retained a territorial defence philosophy, preferred not to deploy combat forces to peacemaking operations abroad, and maintained a large, conscription based military establishment. Why did Denmark and Norway choose such different paths after the Cold War?

Håkon Lunde Saxi (MSc M.Phil.) is a Research Fellow at the Norwegian Institute for Defence Studies and a PhD Candidate at the University of Oslo. His research interests are German, Nordic and European security and defence policies. His recent publications include Norwegian and Danish defence policy: A comparative study of the post-Cold War era (Oslo: Norwegian Institute for Defence Studies, 2010) and Nordic defence Cooperation after the Cold War (Oslo: Norwegian Institute for Defence Studies, 2011).



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