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Humboldt-Universität zu Berlin    ·    Nordeuropa-Institut
Forschungsgruppe Nordeuropäische Politik e.V.
Research Group for Northern European Politics
Ostseegespräche 2013



10. Dezember

Melanie Baschin, Greifswald
Vom Wechsel zum Wandel? Die Entwicklung der schwedischen Europapolitik nach dem Regierungswechsel 2006

Erstmals seit Schwedens EU-Beitritt 1995 kam mit dem Regierungswechsel im Oktober 2006 eine bürgerlich-konservative Regierung an die Macht. Die Mitte-Rechts-Koalition Allians för Sverige verkündete zu Beginn ihrer Amtszeit eine wesentlich aktivere und bejahende schwedische Europapolitik als sie die sozialdemokratischen Vorgängerregierungen betrieben, die sich mit der EU-Mitgliedschaft zuletzt nur noch zu quälen schienen. Schwedens traditionell skeptische Sichtweise auf die EG/EU sollte aufgebrochen werden. Obwohl insbesondere die Moderaten als europafreundlich gelten und sich die schwedische Partizipation auf EU-Ebene entsprechend entwickelte, lassen sich nunmehr rhetorische Veränderungen in den Regierungserklärungen von Ministerpräsident Reinfeldt feststellen, nach denen Schweden nicht mehr "zum Kern Europas" gehört, sondern nur noch "ein Teil Europas" ist.
Die schwedische Europapolitik unter der pro-europäischen Regierung Reinfeldt gleicht einem Balanceakt, der konträre Tendenzen aufzuweisen scheint: Durchaus willens, bei der Stabilisierung der Wirtschafts- und Währungsunion Unterstützung zu leisten, zieht die Regierung es hinsichtlich der Eurozone aber weiterhin vor, außen vor zu bleiben. Wie lässt sich die schwedische Europapolitik der Allianz-Regierung seit 2006 im Vergleich zu den Vorgängerregierungen bewerten? Kam es tatsächlich zu einer proaktiveren EU-Politik Schwedens oder bewegt diese sich weiterhin zwischen Skepsis und Anpassung(-sdruck)?

Melanie Baschin studierte Skandinavistik und Politikwissenschaft an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und am University College Dublin. Anschließend arbeitete sie zwei Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Stabsstelle "Integrierte Qualitätssicherung in Studium und Lehre" der Universität Greifswald. Im Rahmen ihres Dissertationsprojektes untersucht sie die Auswirkungen des politischen Machtwechsels in Schweden auf die schwedische Europapolitik.



11. Juni

Fabrizio Tassinari (Copenhagen)
Europe's new North-South divide - Origins and perspectives

Taking the euro-crisis as a starting point, this Baltic Sea Talk will reflect upon the structural reasons behind the widening political, social and economic gap between creditor and debtor nations in the EU. An explanation will be given how the institutional setup, and indeed the very terms of the social contract, in Northern and Southern Europe are premised on remarkably different assumptions. More specifically, the focus will be on the role of bureaucracies in democratic politics. Following this, some of the proposed solutions to the economic crisis, particularly labour-market reforms and their applicability in Northern and Southern Europe, will be touched upon. Finally, as a conclusion the importance of culture in the construction of the EU, and the consequences such a reexamination will produce on the future of Europe will be recasted.

Fabrizio Tassinari PhD is a Senior Researcher and Head of Unit for Foreign Policy and EU Studies at the Danish Institute for International Studies (DIIS) in Copenhagen. 2005-2008 he served as an Assistant Professor of Political Science at the University of Copenhagen and as an Associate Fellow at the Centre for European Policy Studies, Brussels. His research interests are European security, democracy and integration, with a particular reference to the politics and political economy of the wider Europe. For summer 2013 he received an Alexander von Humboldt fellowship for experienced researchers which he is spending in Berlin



09. April

Claudia Matthes
"Transitional Justice" in Lettland - ein Werkstattgespräch

Der Umgang mit den Opfern kommunistischer, faschistischer und Militärdiktaturen wird in der Forschung zunehmend in vergleichender Perspektive diskutiert. Auch im Zuge der Beitrittsverhandlungen der Länder des westlichen Balkans zur EU sind "Transitional Justice" und die juristische Aufarbeitung der Vergangenheit zu einem wichtigen Kriterium dafür geworden, ob in diesen multiethnischen Gesellschaften ein friedliches Zusammenleben dauerhaft möglich ist. Angesichts dessen stellt sich die Frage, wie sich die Situation in Lettland angesichts der jahrelangen Kontroverse um das Staatsbürgerschaftsgesetz gestaltet: Welche Konjunkturen erlebte das Thema in Politik und Gesellschaft? Welche staatlichen Maßnahmen wurden implementiert? Wie haben sich die Opfer organisiert und welche Forderungen stell(t)en sie? Und was lässt sich aus den lettischen Erfahrungen für andere Kontexte lernen? In einem Werkstattgespräch soll es darum gehen, konzeptionelle Zugänge sowie erste empirische Erkenntnisse vorzustellen und zu diskutieren.

Dr. Claudia Matthes ist Politikwissenschaftlerin und Leiterin der internationalen Masterprogramme am Institut für Sozialwissenschaften der HU Berlin. Sie arbeitet über Demokratisierungsprozesse in Mittel- und Osteuropa.



  OBS!   31. Januar, 18 Uhr im Raum 3.134 Georg Brandes

Klavs A. Holm
Arctic - The New Political Agenda

Climate change has resulted in the emergence of many new opportunities and challenges for the Arctic region. The melting of the ice cape will facilitate access to oil, gas and mineral resources (including the strategically important rare earths) in the future and promises unprecedented prosperity for the peoples of the Arctic. However, their possible future exploration also raises a number of fundamental challenges. Who actually owns the North Pole? Canada, Denmark, Norway, Russia and the US are all competing in a series of territorial disputes over control of the Arctic region. What are the security policy implications of new sailing routes close to the North Pole and the dangers of maritime transport? Increasing Chinese and other foreign states' interests in the Arctic has also raised the question about who will be allowed to participate in the exploration of the Arctic's natural resources. How estimate the role of foreign companies and NGOs like Greenpeace in the area? And last but not least: What social and other consequences will climate change and the possible exploration of oil, gas and mineral resources have on the Arctic peoples' traditional ways of life, on seal hunting, whaling and fishing?

Klavs A. Holm trat nach seinem Studium der Politikwissenschaften an der Universität Aarhus 1980 dem Dänischen Auswärtigen Dienst bei. Seine diplomatische Karriere führte ihn nach Paris und London sowie zur ständigen Vertretung Dänemarks bei der EU in Brüssel. 2005 wurde er dänischer Botschafter in Singapur (ebenso akkreditiert für Australien, Neuseeland und Brunei), bis er 2007 als Unterstaatssekretär die Leitung der neu geschaffenen Abteilung für "Public Diplomacy" übernahm. Seit 2012 ist Klavs A. Holm Unterstaatssekretär für arktische Angelegenheiten und Dänemarks erster Arktischer Botschafter.

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