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Humboldt-Universität zu Berlin    ·    Nordeuropa-Institut
Forschungsgruppe Nordeuropäische Politik e.V.
Research Group for Northern European Politics
Podiumsdiskussion


Die ewig Besseren - was bedeutet der Norden für die deutsche Politik?

Wenn die Staaten Nordeuropas und der Ostseeregion überhaupt in der deutschen politischen Debatte auftauchen, dann meist in einem positiven Licht. Je nach Thema und Lager werden sie als Vorbilder bei der Lösung verschiedenster politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Probleme angeführt. Ihre Modellfunktion reicht von Themen wie Arbeitsmarkt und Sozialstaat über Bildung bis hin zu Energieversorgung, Informationstechnologie und Wirtschaftswachstum. Sogar bei der Überwindung der Teilung Europas und der friedlichen Beilegung von Konflikten wird der Ostseeraum vielfach als Vorbild genannt.

Ist der Norden wirklich eine Experimentierküche für eine "bessere Welt", von deren Rezepten auch Deutschland und das übrige Europa profitieren können? Oder neigen wir nur dazu, beim Blick nach Norden die rosarote Brille aufzusetzen und vor unseren Problemen in eine nordische Traumwelt zu flüchten?

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Experten der Berliner Forschungsgruppe Nordeuropäische Politik wollen wir diesen Fragen auf den Grund gehen. Ziel ist es, zu einer objektiveren Einschätzung von politischen Vorgängen in Nordeuropa beizutragen.

am 02.05.2006, 18.00 Uhr
in der Jägerstr. 10/11, Raum 006

Eine Veranstaltung im Rahmen des NORD Kulturforum 2006 [www.nord.info]



ein Blick zurück in Wort und Bild...




Der Norden wird in Deutschland gerne idealisiert. Wir meinen dabei immer noch den ‘alten, kleinen Norden’, der aus Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland und Island besteht. Eingeführt wurde die Veranstaltung daher von dem Politologen Carsten Schymik, der betonte, dass der Norden sich inzwischen gewaltig erweitert hat und den gesamten Ostseeraum einschließt.

In der anschließenden Podiumsdiskussion führte der Moderator, der Historiker Robin Allers, das Ostseegespräch von einem Highlight der deutschen Nordenwahrnehmung zum nächsten. Dass der Wohlfahrtstaat im Norden, vielleicht nicht besser, aber zumindest für die Bürger besser zu verstehen ist, betonte Jochen Hille. Claudia Matthes hob hervor, dass auch die polnischen und baltischen Sozialversicherungssysteme demographische Schwierigkeiten haben, aber immerhin sei es der Politik dort gelungen Reformen durchzusetzen und Handlungsfähigkeit zu beweisen. Tom Schumacher zeigte, dass der Norden tatsächlich ein Vorbild ist, wenn es um friedliche Konfliktbeilegung geht. Und Helge Dauchert ging auf die verzwickten Probleme der Verlegung der Deutsch-Russischen Ostseepipeline ein.

Deutlich wurde in der Diskussion sicher, dass auch im Nord- und Ostseeraum nicht alles Bernstein ist, was glänzt. Aber es wurde auch klar, dass es sich um eine spannende Region handelt und dass es sich lohnt, sie genauer unter die Lupe zu nehmen, um Lösungsansätze für dringende gesellschaftliche Probleme herauszuarbeiten.

Jochen Hille







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